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Das Zweirad-Manifest: 10 Gründe, warum Fahrradfahren die perfekte Sportart ist

Foto: mamnaimie / flickr / CC-BY-2.0
Foto: mamnaimie / flickr / CC-BY-2.0

Liebe Leute, die ihr diesen Text hier lest und ähnlich wenig Bock auf Fitnessstudios, schwitzigen Joggingbotten oder manierliche Kanuclubs habt: Fahrradfahren ist die perfekte Sportart für euch. Warum das so ist? Ich erkläre es euch!

Eigentlich bin ich eine ziemlich faule Socke. Ich bin so träge, dass ich sogar manchmal zu behäbig bin, den Kühlschrank im Supermarkt aufzufüllen und stattdessen anfange, alle Nusspli- und Marmeladengläser leerzufuttern. Irgendwann ist leider auch der letzte Zuckertopf versiegt und dann bleibt nichts anderes übrig als die Wohnung zu verlassen. Auf diese Form des Müßiggangs bin ich nicht stolz, aber wenigstens habe ich durch die vielen Jahre der Selbsttherapie gelernt, damit umzugehen.

Doch ich möchte noch etwas anderes gestehen. Erstaunlicherweise hat sich neben dem beständigen Drang Tätigkeiten auszuüben, die sich entspannt vom Sofa aus erledigen lassen, ein fast schon manischer Drang nach einer bestimmten sportlichen Aktivität herausgebildet. Ich bin passionierter Fahrradfahrer und finde, dass die Fahrradlobby in Deutschland ruhig etwas selbstbewusster auftreten sollte. Fahrradfahrer aller (Bundes-)Länder vereinigt euch. Wir brauchen ein eigenes Manifest.

Das Zweirad-Manifest: Zehn Gründe warum Fahrradfahren die perfekte Sportart ist

flickr-bicycle-CC-BY-SA2-0Mehr von der Welt sehen

Ein Gespenst radelt durch Europa. Es trägt einen Sturzhelm und rast mit viel zu hoher Geschwindigkeit an seine zweifüßigen Kontrahenten vorbei. Diese Fußlahmen, wir nennen sie hier einfach mal Jogger, Wanderer, Walker oder Segwayisten sind aufgrund ihres viel zu niedrigen Bewegungsradiuses zumeist an einen See oder eine Grünanlage gebunden. Fahrradfahrer schrubben hingegen ordentlich Kilometer. Sie tuckern über Stock und Stein und sehen viel von der Welt.

 

flickr-bicycle-CC-BY-SA2-0Das Nützliche mit dem Angenehmen verbinden

Wie gesagt: ich bin eigentlich zu keiner Art von Sport zu begeistern. Es sei denn, man verbindet das Nützliche mit dem Angenehmen. Und genau das habe ich getan. Mein Arbeitsplatz in Gelsenkirchen ist ziemlich schwer zu erreichen von Bochum. Sicherlich gibt es etwaige Fortbewegungsmittel, die dorthin fahren, aber diese haben eher die Geschwindigkeit einer Draisine. Für eine Tour brauche ich ohne Auto ca. 77 Minuten. Das ist eindeutig zu viel. Mit dem Fahrrad bin ich in 45 Minuten im Büro. Das ist furchtbar praktisch, da ich 1. Zeit spare und 2. was für meinen Körper tue. Dazu kommt, dass ich mir das Abo für das Fitnessstudio spare. Dort habe ich hauptsächlich Übungen gemacht, um die Rückenmuskulatur zu stärken und weil ich ein Problem mit meinem Ellennerv (Nervus ulnaris) habe. Der Ritt auf dem Drahtesel spricht genau die Muskelgruppen an, die ich vorher in der Muckibude trainiert habe. Praktisch.

 

flickr-bicycle-CC-BY-SA2-0Bauch, Beine, Po

Alle Jahre wieder wird es spätestens im November in den Fitnessfabriken des Landes so richtig kuschelig. Grund: Das vorauseilende schlechte Gewissen vor dem Winterspeck. Aber mal ehrlich: Wer geht schon gerne in miefige, verschwitzte Fitnesstempel? Wer gibt schon gerne Unsummen an Euros für eine Mitgliedschaft in eben jenen Muckibuden aus? Und dann noch diese Gruppenduschen… Gruselig! Bauch, Beine und Po trainiert ihr besser auf dem eigenen Drahtesel.

 

flickr-bicycle-CC-BY-SA2-0Mehr als Bauch, Beine, Po

Und für diejenigen von euch, die etwas mehr Überzeugungsarbeit brauchen: Die klassischen Problemzonen werden beim Radeln genauso angesprochen wie Rumpfmuskeln und Lungenmuskulatur. Sogar die Handmuskeln bekommen ihr Trainingspensum ab. Wir können sogar noch eins drauf setzen. Zahlreiche Studien belegen, dass Radfahren neben Schwimmen zu den gesündesten Sportarten zählt. Eine US-Studie will sogar nachgewiesen haben, dass regelmäßiges Radfahren das Risiko einer Herz-Kreislauf-Erkrankung um bis zu 64% senkt.
Und noch ein Tipp aus der Praxis: Ein ordentliches Hollandrad mit Gangschaltung und Touren- oder Cruiselenker ist in den meisten Fällen einem Rennrad vorzuziehen. Der Grund? Die gebückte Körperhaltung auf dem Rennrad ist zwar windschnittig, aber nicht gesund. Die Sitzhaltung auf dem Rennrad überspreizt zumeist die Halswirbelsäule und klemmt die Nerven ab. Und mal ehrlich: Wer will im Alter schon aussehen wie Mr Burns von den Simpsons?

 

flickr-bicycle-CC-BY-SA2-0Für Sparfüchse

Ein Fahrrad muss nicht immer teuer sein. Für die kleine Tour zum Wochenmarkt findet sich schon in den Kleinanzeigen oder auf Flohmärkten ein  kostengünstiger und verkehrstaugliche Drahtesel. Es gilt: Lasst euch keine hochgezüchteten Technikwunder andrehen, wenn ihr eh keine Tour de France fahren wollt. Für den kurzen Ritt zur Arbeit reicht ein gebrauchtes Damenrad.

 

flickr-bicycle-CC-BY-SA2-0Fahrradfahren macht glücklich

Keine Angst, hier folgt kein esoterisches Geschwurbel, sondern eine objektiv-biologische Schlussfolgerung. Ärzte und Orthopäden raten zum Fahrradfahren, da die gleichmäßige körperliche Belastung beim Radfahren die Produktion und Ausschüttung von Endorphinen und anderen Hormonen anregt. Die Folge: Die Stimmung beim und nach dem Fahrradfahren wird gehoben. Quelle

 

flickr-bicycle-CC-BY-SA2-0Fahrradfahren ist gesellig

Ja, der Radsport ist gesellig: Egal ob kumpelige Vatertagstour, Familienausflug auf dem Tandem oder umkämpftes Peloton in der Tour de France (Hauptfeld) – Zweiradfahrer sind sehr sozial. Darüber hinaus kann ein Team zu mehr Leistung anspornen. Es gibt Windschatten und hat Werkzeug zur Hand, falls mal was zu Bruch geht.

 

flickr-bicycle-CC-BY-SA2-0

Fahrradfahren ist was für Einzelgänger

Das wimmelige Geschubse auf dem Bahnsteig nervt? Schreiende Schulkinder mit ADHS gehen gar nicht? Kumpelige Junggesellenabschiede in der Fußgängerzone sind dir ein Graus?  Kein Problem: der geneigte Eskapist muss nicht zwangsläufig auf den Beinen vor den eben genannten flüchten. Zwei Räder eignen sich auch hervorragend. Noch ein Tipp für fortgeschrittene Eskapisten: Fahrradfahren kann man auch in besonders entlegenden Gegenden. Probiert’s aus!

 

flickr-bicycle-CC-BY-SA2-0Technokraten aller Länder vereinigt euch

Wenn in deiner Freizeit die rationale und effektive Planung und Durchführung zielorientierter Vorhaben im Vordergrund steht. Du also deinen ganzen Fokus weniger auf Spaß als auf die Optimierung deiner Technik (das Fahrrad) und deines Vorankommens in der Gesellschaft mithilfe von technischen Mitteln (Apps, Pulsmesser, Leichtmetallteile, Karbonhelme mit Solarzellen) setzt, ist Fahrradfahren genau die richtige Freizeit… äh das richtige Gadget für dich.

flickr-bicycle-CC-BY-SA2-0Für Hedonisten

SSV! WSV! Egal! Du findest garantiert immer ein paar neue Schuhe, die im Angebot sind. Vielleicht darfs ja auch mal wieder eine neue Übergangsjacke oder die hierzulande erst im nächsten Jahr durchstartenden Monokini sein. Auch für Materialistisch-Angehauchte bis Konsum-Orientierte bietet das Fahrrad ein geeignetes Umfeld. Show and shine auf zwei Rädern. Zeigt, dass ihr anders seid als der graue Bundesdurchschnitt. Baut euer Fixie selbst und erzählt es euren Freunden. Oder besser: Baut euer Fixie selbst, macht ein Foto davon mit der Instagram-App und shared es mit euren Freunden. Wenn du eher am Look deiner Eltern-Generation interessiert bist, dann darfs garantiert auch eine der völlig überteuerten Gazellen sein.

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