Menschen wie du und ich: Die Boshaftigkeit des Plakateurs

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Foto: Kann Spuren von Menschen erhalten // CC BY 3.0

Dortmund. Hauptbahnhof. In klinischen Lettern erinnert uns ein Plakat des Deutschen Roten Kreuzes an unsere altruistischen Pflichten: “Schenke Leben. Spende Blut”, steht da in weißen, unschuldigen Kapitälchen auf einem bunten Hintergrund. Vom Plakat lächeln uns geglättete Fotomodells entgegen, die sich vermutlich gerade auf einem Segelturn befinden. Ihnen geht es gut, suggeriert das Plakat. Sie können ihr Leben genießen. NOCH! Ergänzt der Slogan des roten Kreuzes, denn die juvenile Freude ist nur kurz bzw. im Falle einer baldigen Bluttransfusion sehr flatterhaft.

Das Lächeln versagt jedem, der das Plakat erblickt. Denn neben den Fotomodells steht sogleich der Sensenmann und blickt auf die Rot-Kreuz-Reklame. Wen er wohl als nächsten holen kommt? Vermutlich den Plakateur (m/w), der für die morbide Hängung der Plakate verantwortlich ist. Was hat er sich bloß dabei gedacht? Möchte er sich gegen den unterschwellig-mitleidigen Subtext des Roten-Kreuz-Plakates aussprechen oder ist das Plakat eine Metapher für den Widersinn der lebenserhaltenden Maßnahmen, da der Zahn der Zeit jedes noch so kleine Menschenteilchen abnutzt? Oder ist er einfach nur ein boshafter, kleiner Schelm, der seinen bitterbösen Humor freien Lauf lässt?

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