Spuren von Zombies – Ein Erlebnisbericht aus der Gefahrenzone

Zombies, Menschen, Fotografie
Obacht! Der moderne Zombie kann von seiner Beute nicht mehr unterschieden werden. Foto: Spuren-von-Menschen.de

Es ist ein stinknormaler Tag in Essen. Die Sonne knallt auf Kettwiger Straße und Bahnhofsvorplatz. In ihrem Licht sonnen sich die Glasscherben. Flaneure flanieren, Trinker trinken und die Autokolonnen husten sich ihren Weg durch die Innenstadt. Ein normaler Sommertag? Mit Nichten. Die trügerische Idylle täuscht. Eine Zombieinvasion steht kurz bevor. Wie jeden Samstag. Ausgang: ungewiss.

Auch hierzulande mehren sich die Anzeichen einer Zombie-Apokalypse. Man muss nur seine Augen öffnen und die Anzeichen erkennen. Und da reicht schon ein ein Blick nach Essen. Was wenige wissen: die Einkaufsstadt ist einer der großen Inkubationsherde für das Zombievirus im Ruhrgebiet.

Essen, Zombies, Fotografie
Der nette Opi von nebenan? Mitnichten! – Foto: Spuren-von-menschen.de

Er sieht aus wie du und ich

Doch wer denkt, dass die Essener Zombies wankend über den Willy-Brandt-Platz schlürfen und mit einem Axthieb leicht beizukommen sind, der täuscht sich. Der Essener Zombie ist ein mutiertes Etwas, das sich auf den ersten Blick NICHT von normalen, lebenden Passanten unterscheidet. Weder giert es nach Hirn, noch hängen ihm Hautreste vom Schädel – er sieht aus wie du und ich.

Der moderne Zombie hat eine bürgerliche Existenz angenommen, um seine Jagdquote zu erhöhen. Er ist sowohl in öffentlichen Naherholungsgebieten als auch in Fußgängerzonen und Einkaufszentren anzutreffen. Man erkennt ihn an übervollen Primark– oder H&M-Tüten, die er aus den gleichnamigen Geschäften schleift. Weitere Erkennungszeichen sind Polohemden mit hochgestellten Kragen, Seglerschuhe (aktuelle Produktion), Schminkflinte (zur Übertünchung des postnekrotischen Zellverfalls) und Teint von Sunpoint.

Durch die Maskierung seiner toten Hülle fällt er unter all den Menschen weniger auf. Das hat den Effekt, dass seine Opfer weniger schnell in Panik geraten und flüchten können. Der untote Jäger kann sich mit dieser Taktik besser an seine Opfer heranpirschen und erspart sich diese ewige Rennerei. Denn eines wissen wir aus den stadtbekannten Zombie-Filmen: Schnell sind die wenigsten Zombies (außer diese überzüchteten Viecher aus World War Z und 28 Days Later).

Und auch geruchstechnisch kann man den modernen Innenstadt-Zombie nicht vom Konsummeilen-Publikum unterscheiden. Der Trend zu „Mehr Parfüm bedeutet mehr Aufmerksamkeit“ nutzt der Untote auf seine Weise: Er suhlt sich vor seiner Jagd in dem billigsten Eau de Toilette, dass er finden kann. So übertüncht er den süßlich-modernden Geruch seiner verwesenden Organe. Ein netter Nebenverdienst: Er wird von seinen künftigen Opfern als einer der ihren wahrgenommen. Ein perfider Plan.

Seine Gier nach Lacoste-Hemden wird lediglich von seiner Gier nach Hirn getoppt

Die Zivilbevölkerung sollte sich in acht nehmen! Obwohl der moderne Zombie durch Kleidung, Geruch und Schminke nicht von seiner ’noch‘ lebenden Beute unterschieden werden kann, verschleiert seine Normalität lediglich seine Boshaftigkeit. Seine Gier nach Lacoste-Hemden wird lediglich von seiner Gier nach Hirn getoppt. Und dieser Hunger muss gestillt werden – ohne Unterlass. Er nagt seine Opfer in den Umkleidekabinen der Konsumtempel oder in finstren Gassen an. In H&M- und Primark-Tüten transportiert er – ungeachtet von den Passanten – Frischfleisch, welches er in der Tiefkühltruhe horten kann.

Und warum findet die Polizei nie Opfer oder Leichenteile? Das liegt doch auf der Hand! Weil die Opfer zu Untoten werden und gleichzeitig den Habitus der Konsummeilen-Zombies übernehmen. Wie ist es zu erklären, dass die gängige Mode in der Essener Innenstadt immer konservativer wird? Wie ist sonst das inflationäre Aufkommen von pinken und pastellfarbenen Polohemden und Seglerschuhen zu erklären? All die toten Augen! All die prall gefüllten Tüten! All die vielen seelenlosen Flaneure! Schaut hin und erkennt die Gefahr.

Die Wahrheit ist irgendwo da draußen…

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